NaturFreunde Göggingen e.V.

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         Wasser

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SITUATION

Wasser ist der Ursprung allen irdischen Lebens sowie wichtigster Baustein und Lebensmittel aller Organismen. Im Altertum galt es als eines der vier Elemente neben Feuer, Luft und Erde.

 

Umweltleitlinien

71% der Erdkugel sind
vom Wasser bedeckt

71 Prozent der Erdkugel sind von Wasser bedeckt. Die Gesamtwassermenge der Erde wird auf 1,4 Milliarden Kubikkilometer (km3) geschätzt. Der Süßwasseranteil des gesamten Wassers wird mit 2,6 Prozent, angenommen. Zieht man das im Polareis und in Gletschern gebundene Wasser ab, so bleiben gerade noch 0,6 Prozent übrig. Das sind ca. 8,2 Millionen km3. Das entspricht in etwa dem 170.000-fachen Inhalt des Bodensees, der ungefähr 50 km3 fasst. Wegen der ungleichmäßigen Verteilung herrscht trotz der gigantisch erscheinenden Menge auf weiten Teilen der Erde Wassermangel.

Klima

Luft

Wasser

Niederschlag
= Verdunstung
+ unterirdischer
+oberirdischer Abfluss

Eine Wasserhaushaltsbilanz ist eine scheinbar einfache Gleichung:
Niederschlag = Verdunstung + unterirdischer + oberirdischer Abfluss.

Der Verdunstung des Wassers durch die Sonne verdanken wir Schnee, Regen und Tau, die die Süßwasservorräte ständig wieder auffüllen. Diese Niederschläge erreichen in Mitteleuropa im Jahresmittel eine Höhe von 800 Millimetern, das sind 800 Liter pro Quadratmeter. Auf Deutschland bezogen bedeutet das eine Menge von 286 Milliarden Kubikmeter (m3), 286 Billionen Liter. Damit könnte man den Bodensee knapp sechsmal füllen.

Verkehr

Naturschutz

Ernährung

Gentechnik

55% der Niederschläge
verdunsten

Von den 800 mm Niederschlag verdunsten durch Pflanzen 318 mm, von der Bodenoberfläche 115 mm, von den Gewässern 10 mm, das sind zusammen 443 mm oder 55 Prozent, die wieder entschwinden. Verbleiben als Oberflächen- und Grundwasser 128 Milliarden m3, was dem 2,5-fachen Inhalt des Bodensees entspricht. Fast die Hälfte davon wird genutzt.

Auch in Baden-Württemberg fallen im Jahr durchschnittlich 800 Millimeter Niederschläge. Der Hochschwarzwald ist mit 2.000 mm das niederschlagreichste Gebiet. Vorwiegend Westwinde bringen Regenwolken, die sich an den Höhenzügen von Schwarz- und Odenwald ausregnen. Die dahinter liegenden östlichen Landesteile liegen im Regenschatten, daraus erklären sich die mit ca. 600 mm relativ knappen Niederschläge im Neckar- und Taubertal.

Abfall

Energie

 

Baden-Württemberg ist
ein Wassermangelgebiet

Die topographischen und geologischen Gegebenheiten tragen dazu bei, dass Baden-Württemberg ein Wassermangelgebiet ist.

Wasser entschwindet
rasch

Von den Höhen des Schwarzwaldes läuft das Wasser rasch ab, im Karst der Schwäbischen Alb verschwindet das Wasser im Untergrund. Teilweise tritt es in den Quelltöpfen von Blau, Brenz, Aach und ähnlichen wieder zu Tage, ein anderer Teil entschwindet, wer weiß wohin. Wasser, das aus zahlreichen Quellen des Keuperberglandes entspringt, versickert oft rasch in Klüften und Dolinen des unter dem Keuper liegenden Oberen Muschelkalks.

Bäche und Flüsse
fließen nicht mehr
natürlich

Kaum ein Fluss oder Bach in unserem Land fließt noch vollständig in seinem natürlichen Bett. 78 Prozent der Fließgewässer mit einer Gesamtlaufstrecke von 6.700 km werden als naturfern oder beeinträchtigt eingestuft. Der knappe Rest von 22 Prozent wird als weitgehend naturnah bezeichnet. Diese Einstufung bezieht sich auf die Morphologie (= Lehre von den Gebilden, Formen, Strukturen), die aber mitentscheidend ist für den biologischen Zustand eines Gewässers.

Die Gewässerbelastung
ist vom Menschen
verursacht

Der Charakter eines Gewässers wird von vielen Einflüssen bestimmt, die nach ökologischen und anthropogenen (= vom Menschen geschaffen, von ihm beeinflusst) Faktoren unterschieden werden. Wasser ist ein komplizierteres Medium, als es die chemische Formel H2O vermuten lässt. Tausende von Stoffen können darin gelöst oder transportiert werden, die biologische Vielfalt der darin lebenden Organismen ist kaum zu erahnen. Zu den ökologischen Faktoren zählt man die geographische Lage, geologische Strukturen und Biologie. Die Belastung eines Gewässers ist vom Menschen verursacht, also anthropogen.

Abwärme aus Kraft-
werken wirkt sich
negativ aus

Belastet werden Gewässer durch leicht oder schwer abbaubare organische Stoffe aus Abwässern verschiedener Art und Herkunft: Pflanzennährstoffe, hauptsächlich Nitrat und Phosphat; Schwermetalle, Salze und Chemikalien aus Industrieabwässern sowie Schadstoffe aus der Luft, die auch zur Versauerung beitragen. Daneben gibt es Belastungen nichtstofflicher Art, wie Abwärme aus Kraftwerken, Begradigung, Stau, Betonierung der Gewässersohle. Auch übermäßige Wasserentnahme wirkt sich negativ aus.

Trinkwasser-
versorgung in BW:
75% Grundwasser
25% Oberflächenwasser

Das Grundwasser ist die wichtigste Trinkwasserquelle. 75 Prozent des Bedarfs in Baden-Württemberg werden daraus entnommen. Die  größten Vorkommen sind im Rheingraben, die größte Menge wird in der nördlichen Rheinebene gewonnen. Im Raum Rastatt bis Heidelberg/Mannheim ist die Bevölkerungsdichte mit über 1.000 Einwohner pro km2 und damit der Wasserbedarf ähnlich hoch wie im Mittleren Neckarraum, der hauptsächlich mit Wasser aus dem Langenauer Ried versorgt wird. Die Stuttgarter hätten das Ried längst leer gesoffen, wenn es nicht ständig mit Donauwasser nachgefüllt würde. 25 Prozent des Wasserbedarfes wird mit Oberflächenwasser aus dem Bodensee und aus der Kinzigtalsperre gedeckt. Die Alb ist wasserarm, doch dünn besiedelt, man konnte dem Wassermangel zum Teil mit der Nutzung ihrer eigenen Karstquellen abhelfen.

Wassernutzung:
10% öffentliche Versorgung
8% Industrie / Gewerbe
82% Energiewirtschaft

Das Wasser wird vielfältig genutzt. Im Jahr 1995 wurden 7,2 Milliarden m3 Wasser gewonnen. Knapp 10 Prozent entfielen auf die öffentliche Wasserversorgung. 8 Prozent benötigten Industrie und Gewerbe. Mehr als 80 Prozent wurden von der Energiewirtschaft genutzt.

Wasserbedarf:
ca. 131 l / Einwohner
und Tag

Im gleichen Jahr lag der spezifische Wasserbedarf einschließlich des gewerblichen Verbrauchs bei 131 Litern pro Einwohner und Tag. Er hat sich seit einigen Jahren nicht wesentlich verändert. Trotzdem ist die Entnahme von Grundwasser teilweise höher als der Nachfluss. Diese Gebiete leiden unter den Folgen, die ein sinkender Grundwasserspiegel mit sich bringt.

Wasserschutzgebiete
ausweiten

Zum Schutz der Trinkwasserfassungen werden Wasserschutzgebiete ausgewiesen. Erklärtes Ziel ist es, 29 Prozent der Landesfläche unter Schutz zu stellen. Seit einigen Jahren ist die Zahl der Schutzgebiete nicht mehr gewachsen, wohl aber die Fläche, die Ende des 20. Jahrhunderts ca. 20 Prozent ausmachte.

Düngemittel einsparen

Durch den vor einigen Jahren eingeführten Wasserpfennig sollte die Landwirtschaft bewogen werden, mit Düngemitteln sparsam umzugehen. Doch immer noch wird zuviel Stickstoff ausgebracht. Vor allem sollte in der vegetationslosen Zeit keine Gülle ausgefahren werden. Ein Problem ist der enorme Mistanfall bei Tiermastbetrieben und Eierfabriken und die Belastung mit Pflanzenbehandlungs- und Schädlingsbekämpfungsmitteln.

Grundwassersanierung

Grundwasser hat ein
langes Gedächtnis

Wegen der langen unterirdischen Fließzeiten lassen Erfolge in der Grundwassersanierung auf sich warten: Stagnation auf hohem Niveau, denn Grundwasser hat ein langes Gedächtnis. Noch immer sind viele Oberflächengewässer zu nährstoffreich. Außerdem sind auch im geklärten Abwasser viele zum Teil unbekannte Chemikalien enthalten, die über Versickerung ins Grundwasser gelangen. Oft werden erst lange nach der Einleitung schädliche Wirkungen bekannt.

Umgestaltung der
Fließgewässer führt
zu Hochwasser

Die morphologische Umgestaltung der Fließgewässer, Bodenversiegelung und Verdichtung, Abbau der Weinbergterrassen usw. führen zu immer häufiger auftretendem Hochwasser. Abgesehen von den Primärgefahren und Schäden wird das Wasser zu schnell abgeleitet und verändert die Wasserbilanz nachteilig.

ZIELE UND FORDERUNGEN
DER NATURFREUNDE
Wassercharta des Europarates 1968, Punkt XII:

»Das Wasser kennt keine Staatsgrenze; es verlangt eine internationale Zusammenarbeit.«

Wasser kennt
keine Grenzen

Wirksame europäische Regelungen müssen dringend beschlossen und umgesetzt werden. Konzepte, die für alle Gewässer eine nachhaltige Verbesserung bewirken, sind dringend notwendig.

Wasser darf nicht
zur Ware werden

Wasser darf nicht zur Ware werden. Wasser ist auf der Erde ungleichmäßig verteilt. Deshalb ist die Nachfrage hoch. Diese Voraussetzungen machen Wasser zu einer begehrten Ware, die im globalen kapitalistischen Markt hohe Gewinne verspricht. Mit der Klimakonvention von Rio wurde 1992 die Luft zur handelbaren Ware gemacht. Das muss beim Wasser verhindert werden.

örtliche Vorkommen
nachhaltig nutzen

Die Wasserversorgung darf nicht weiter zentralisiert werden, um bei einer Verseuchung, z.B. atomarer Art, die Gefährdung der Bevölkerung möglichst gering zu halten. Es ist vordringlich, die örtlichen Vorkommen nachhaltig zu nutzen. Es darf nur soviel verbraucht werden, wie dem Grundwasserspiegel wieder zufließt.

naturnahe Gewässer
und Feuchtlebens-
räume erhalten

Die Qualität vieler Fließgewässer hat sich seit den 70er Jahren dank verschärfter Umweltauflagen verbessert. Daraus zu schließen, dass nun alles getan sei, ist falsch. Das ursprüngliche Erscheinungsbild der meisten Gewässer ist nach wie vor durch Ausbau- und Begradigungsmaßnahmen stark verändert. Naturnahe Gewässer bilden die Ausnahme.

regulierte Gewässer
umges4talten

Ziel muss sein, naturnahe Gewässer und Feuchtlebensräume zu erhalten bzw. wiederzugewinnen. Bereits regulierte Gewässer müssen zur Erhöhung der ökologischen Funktionsfähigkeit umgestaltet werden.

auf Dünge- und
Pflanzenschutzmittel
verzichten

Land- und Forstwirtschaft müssen sich an gewässerökologischen Erfordernissen ausrichten. Auf Dünge- und Pflanzenschutzmittel muss weitgehend verzichtet werden. Der Anbau standortgerechter Pflanzen ist zu fördern.

Trinkwasser darf nicht ungehemmt als Mittel zur Verdünnung und Entsorgung benutzt werden.

aufbereitetes Abwasser
und Regenwasser nutzen

In vielen technischen Prozessen und auch im Haushalt (z.B. WC-Spülung) muss Wasser nicht die hohen Qualitätsanforderungen von Trinkwasser erfüllen. Statt dessen kann aufbereitetes Abwasser oder Regenwasser genutzt werden.

überflüssige
Bodenversiegelung
beseitigen

Durch die zunehmende Bebauung dringt immer weniger Niederschlagswasser in den Untergrund ein. Es fließt über die versiegelte Flächen in die Kanalisation ab, belastet die Kläranlagen und fehlt bei der Grundwasserneubildung. Überflüssige Versiegelung von Flächen muss beseitigt werden.

WAS KÖNNEN DIE NATURFREUNDE TUN?

Wir gehen sorgfältig mit dem begrenzten Wasservorrat um. Der Wasserverbrauch wird z.B. durch den Einsatz Wasser sparender Geräte gesenkt.

Wasser sparende
Geräte einsetzen

Die Entsorgung und Klärung des Abwassers von Naturfreundehäusern muss vorbildlich sein. Wo möglich, werden Pflanzenkläranlagen eingerichtet.

in Naturfreundehäusern:
+Pflanzenkläranlagen
+Regenwassernutzung
+Asphalt- oder Beton-
flächen entsiegeln

Werden getrennte Leitungen für Trink- und Brauchwasser eingebaut, kann Regenwasser genutzt werden. Dazu werden an Naturfreundehäusern Zisternen zum Auffangen des Regenwassers gebaut. Ungenutztes Regenwasser soll versickern, um Kläranlagen nicht unnötig zu belasten.
Parkplätze und Wege an Naturfreundehäusern werden, soweit möglich, mit Rasengittersteinen oder Schotter so angelegt, dass Regen versickern kann. Bestehende Asphalt- oder Betonflächen werden entsiegelt.

Gewässerpatenschaften

Naturfreunde übernehmen Gewässerpatenschaften und beteiligen sich an Renaturierungsarbeiten.

Kinder mit der Natur
vertraut machen

Kinder werden mit der Natur und den Problemen der Gewässer vertraut gemacht, etwa durch die Aktion »Umweltdetektive«.

Probleme für die
Öffentlichkeit
sichtbar machen

Projekte werden nach Verwirklichung als Modell der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie sollen so zu weiteren Aktivitäten anregen.
Naturfreunde können helfen, die Probleme sichtbar zu machen und für die Verwirklichung der Forderungen zu werben.

   

VisdP NaturFreunde LV Württemberg, Landesvorsitzender                         Copyright by webmaster@naturfreunde-goeggingen.de